Josefines Blog

Die roten Brüder

von Silvia Gillardon (Kommentare: 2)

Katzen

„In dieses Haus gehört eine Katze!“ Genauso gut hätte er „eine Heizung“ oder „ein Kochherd“ sagen können, so absolut klang die Stimme des Allerliebsten. Widerspruch zwecklos, hiess das.  Ohne Heizung friert und ohne Kochherd hungert man. Aber ohne Katze? „Ohne Katze gibt es nichts zu Lachen“, antwortete er ungefragt.

Das stimmte. „Aber Grullo?“ wandte ich ein. „So lange ist er ja schliesslich noch nicht tot. Würde unser armer Kater uns das nicht als Treulosigkeit übelnehmen? „

„Denk nicht so kleinlich. Der wird ein Auge auf seinen tollpatschigen Nachfolger werfen und sich ins Pfötchen lachen.“

So begebe ich mich also auf die Suche. Die Bedingung ist klar: Ein Kater muss es sein, und rot ausserdem.  Sicher: Schwarze Katzendamen sind bestimmt auch reizend. Aber mich haben halt mein ganzes Leben lang rote Kater begleitet.

Im Internet finde ich Dutzende von Angeboten.  Die ersten drei Besuche sind enttäuschend:  Der eine Kater ist hellbeige wie eine ungebackene Baguette, auch wenn die Besitzerin noch so schwört, dass er „nachdunkle“. Der zweite will um keinen Preis unter dem Sofa hervorkommen. Und der Dritte, Tom genannt, entpuppt sich bei einer flüchtigen Kontrolle der Geschlechtszuweisung als Tomate.

Die vierte Besichtigung ist dann, na ja, ein doppelter Volltreffer. Zwei entzückende Brüder, der eine ein Draufgänger mit lustigen weissen Punkten auf dem Rücken, der andere, eher scheu, mit einem schrägenroten Fleck mitten im weissen Gesichtchen.  Ich bin hin- und hergerissen und beschliesse, mit dem Allerliebsten zurückzukommen. Soll er auswählen!

„Die Aesthetik interessiert mich nicht“, warnt er mich,  bevor wir das Katzenhaus betreten. „Ich werde nach dem Charakter entscheiden.“.So so. Ich verdrehe die Augen und beobachte, wie er sich auf den Teppichboden hockt, superkluge Testspielchen macht mit Papierrollen, Fellmäusen und Wollfäden. Die Beiden sind ja nicht blöd. Sie  springen, schmusen, rasen, kugeln zusammen über den Boden, lecken sich gegenseitig die Gesichtchen. Die Botschaft ist klar. „Wir sind Brüder“.

„Die kann man unmöglich auseinandernehmen!“ beschliesst der Allerliebste seufzend. „Wir müssen beide nehmen!“ Und als hätten sie kapiert, klettern sie gemeinsam in die Transportkiste. „Zwei Katzen? Weißt du, was das bedeutet?“ spiele ich die Entsetzte.

Beim Nachhauseweg verkneife ich mir ein verräterisches Grinsen und setze ich ein besorgtes Gesicht auf.  „Bist du sehr böse?“ fragt der Allerliebste schuldbewusst. „Es ging einfach nicht anders.“

Die beiden Brüder liegen eng umschlungen in ihrem Körbchen und blinzeln mich verschwörerisch an. Schmunzelnd zwinkere  ich zurück, tippe mit dem Finger auf meine Lippen und flüstere: „Perfekt!“

Josefine

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Kommentar von Helga Wienröder |

Die beiden sind ja süss - haben sie schon einen Kindersitz im Auto?

Kommentar von wimm |

Was bin ich froh, dass die beiden Brüder nicht getrennt wurden. Zwei Katzen sind immer besser :-)