Josefines Blog

Fido

von Silvia Gillardon (Kommentare: 0)

Seit kurzem habe ich einen Hund. Er ist entstanden aus einem der berühmten Neujahrsvorsätze. Darum habe ich ihn Fido getauft.  So heisst zwar, ich weiss, fast jeder Strassenköter. Aber der Name ist perfekt. Denn Fido heisst treu, verlässlich, aber auch sich trauen.

Fido besteht natürlich nicht aus Fleisch und Blut, denn damit wären meine beiden Kater gar nicht einverstanden. Aber er wohnt in meinem Kopf. Dort hat er die Aufgabe, mich wenigstens einmal am Tag aus dem Haus zu jagen, an die frische Luft, zu einer Runde ums Quartier, und zwar bei jedem Wetter. Eigentlich ist er nichts anderes als das personifizierte beziehungsweise hundifizierte schlechte Gewissen. Und er bildet quasi das Gegenstück zu einem anderen, sehr viel berühmteren Tier, nämlich dem inneren Schweinehund. Der heisst bei mir Barry.

Das Problem ist, dass Barry riesig ist und sehr viel ältere Rechte hat als der lästige Neuzuzüger Fido, dieser nervöse Giftzwerg. Beim dessen Einzug hat Barry ihn deshalb dermassen bedrohlich angeknurrt, dass der Verängstigte  gar nicht mehr aus seinem Versteck hervorkriechen wollte. „Fido heisst auch „der Wagemutige“, redete ich dem Kleinen zu. Nichts. Dann kam mir das entscheidende Argument in den Sinn: „Denk doch nach: Dieses Ungeheuer ist doch viel zu faul dazu, dir wirklich etwas anzutun.“ Das konnte Fido endlich überzeugen. Seither führen wir, also alle Drei,  eine friedliche Koexistenz.

Fido reisst mich zuverlässig einmal im Tag vom Hocker, das heisst, vom Schreibtischstuhl, weil wir angeblich „müssen“. Und Barry ist froh, wenn er bei unseren Frischlufttouren nicht mitkommen muss, sondern weiterdösen kann.

Natürlich unterhalten wir, Fido und ich, uns auf unseren Spaziergängen. Wir hecheln beispielsweise die Hunde durch, die unseren Weg kreuzen. Oder die Herrchen und Frauchen. Wenn wir schräg angeschaut werden, stört uns das nicht. Wir können ja nicht jedem erklären, was wir eigentlich treiben. Sollen sie uns ruhig für verrückt halten! Manchmal schimpfen wir über das Wetter. Dann wieder führen wir zutiefst philosophische Dialoge. Fido ist fast immer mit mir einer Meinung. Ausser, wenn ich zu früh den Rückweg antreten will. Dann jault er, bellt, knurrt … kurz, er führt er sich auf wie ein typischer, doofer kleiner Kläffer.

Ich weiss, er tut nur seine Pflicht. Aber lästig kann so ein giftiger Köter schon sein. Meistens gebe ich in solchen Situationen dann halt nach – ist ja sonst peinlich, der Radau, vor all den Spaziergängern und Joggern. Nach einer kurzen Zusatzrunde gibt dann auch Fido endlich Ruhe und trottet auf dem Rückweg friedlich neben mir her.

Zuhause angekommen, kommt dann das Schönste: Dann kriechen wir zum dicken Barry hinter den Ofen, machen es uns gemütlich und schwören uns gegenseitig, dass wir uns alle drei furchtbar fest lieb hätten. Im Moment wenigstens noch.

 

NB: Ganz im Vertrauen: Falls Sie von einem süssen, kleinen Kläffer träumen, so gegen Ende Monat, würd ich es mir überlegen, Fido abzutreten. An gewissen feuchtgrauen Wintertagen kann der  nämlich ganz schön nerven mit seinem Frischluft-Bewegungstick.  Aber Barry bleibt!

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