Josefines Blog

Maria kommt

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„Ich komme, cara Giuseppina. Ich werde in Deiner Heimat arbeiten. Und Du darfst sie mir zeigen. Baci. Maria, la tua.“ Wieder und wieder lese ich die Mail. Maria la tua? Die Principessa?

Ich hab sie aufwachsen gehört, die Maria. In den Lobgesängen ihrer Mutter. Gesehen habe ich sie nie. Maria, Lorenas einziges Kind. Gescheit, schön, und vor allem furchtbar strebsam. „Sie muss lesen. Sie muss sich erholen. Sie muss studieren“, entschuldigte Lorena ihr Wunderkind, wenn ich sie fragte, warum Maria ihr nie zur Hand gehe. Lorenas Leben bestand aus Arbeit. Nur aus Arbeit. Tagsüber füllte sie in einer kleinen Fabrik Sardinen in Gläser, Peperoni, Oliven. Abend putzte sie Büros. Am Wochenende servierte sie in der Osteria. Sie sparte, verzichtete, darbte – alles für die Principessa. Und endlich war das Ziel erreicht: Ein Studienplatz! Die Principessa entschwebte. Und Lorena weinte bitterlich. Proprio America! Das hatte sie nicht gewollt. Ihr Kind - so weit weg!

Economia hat sie dann studiert, die Principessa. Mit Summa cum laude abgeschlossen natürlich. Und nun kommt sie also in die Schweiz.


„In einer kleineren Schweizer Grossbank werde ich Kreditrisiken beurteilen“, schreibt sie. Ich verbitte ich mir jeden zynischen Gedanken und lese weiter. „Was meinst Du, wo ich wohnen soll? Du kennst doch so viele Leute. Kannst Du Dich für mich umsehen? Am liebsten wäre mir ein angesagtes Quartier, zentral, am Wasser. Mit jungen Bewohnern, vielen coolen Geschäften, Discos, Bars, pulsante eben und trotzdem ruhig. So wie die Via Settembre in unserer kleinen Stadt. Du weißt doch, was ich meine.“

Ich schlucke leer. In „unserer“ kleinen Stadt, meinem ehemaligen Zuhause in bella italia, gibt es noch immer keine Kläranlage. Um zehn werden die Bürgersteige hochgeklappt. Das letzte Kino ist eingegangen. Die jungen Leute ziehen weg. Und die wenigen kleinen Läden, die überlebt haben, verkaufen chinesische Billigklamotten. All all das hat die ökonomisch-romantische Principessa im grossen Amerika offenbar ausgeblendet.

Ach ja, günstig muss die Wohnung natürlich auch sein. „Ich werde zwar sehr gut verdienen. Aber ich will nicht viel ausgeben. Denn schliesslich muss ich irgendwann zurück nach Hause. Zu Mamma.“

Ich werde ihr ein paar Fotos und Links aus dem Fricktal mailen, der Principessa.

Josefine, auch Giuseppina genannt

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