Josefines Blog

Von Piranhas und anderen Jöö-Tierchen

von Silvia Gillardon (Kommentare: 1)

Mäxchen ist zwar nicht so für Traditionen. Aber einmal im Jahr muss es sein. Dann will Mäxchen in den Zoo, und zwar mit mir. Natürlich ist er ein exquisiter Kenner der Tierwelt – vor allem die Bezeichnungen der verschiedenen Affenrassen, angefangen von Vollblutaffe über Schimpanse bis Gorilla Blauarsch verwendet er täglich.

Wer jetzt denkt, dass man mit Mäxchen ganz normal bei den Flamingos anfangen und dann an den Nilpferden vorbei gemütlich bis zu den Giraffen spazieren kann, liegt falsch. Er ist ein Individualist. Schon beim Eingang nimmt er das Zepter beziehungsweise den Plan in die Hand. „Zuerst gehen wir zu der Vogelspinne. Dann zu den Bisons. Dann kommen die Erdmännchen dran, dann die Piranhas.  Die Elefanten und Nashörner können wir vergessen.“ Mein Einwand, dass seine unlogische Reihenfolge nicht mit der Planung des Zooarchitekten synchron sei, interessiert ihn nicht. Wenn ich zu faul sei, mich nach seinem Konzept zu richten, könne ich im Affenhaus auf ihn warten, meint er. Also Vogelspinne.
Wie ich auf dem Weg dorthin bei den faszinierend bunten tropischen Fischen hängen bleibe, zieht er mich ungeduldig weiter. „Das ist Kitsch!“ Auch die Krokodile interessieren ihn nicht: „Das sind die gleichen Penner wie die Löwen. No action.“ Wo Mäxchen Recht hat, hat er Recht.
Auf dem Weg zu den Bisons kommen wir bei den Wölfen vorbei. „Langweilig. Das sind doch einfach ganz normale Hunde. Die könnten genauso gut Dackel hier ausstellen.“ Auch an den Wildschweinen mit den entzückenden Frischlingen lässt er kein gutes Haar. „Das sind Schädlinge und machen nur Puff.“ 
Die Bisons heben ihre gewaltigen Köpfe, wie Mäxchen ihnen zuruft, und er ist begeistert. „Die sind in der Mauser“, kommentiert er das zerfetzte Fell. „Ich  möchte mal einen Wärter fragen, ob er mir einen Haufen von den abgestreiften Haaren gibt. Daraus könnte man ein geiles Kissen machen.“ Bei den Erdmännchen sind wir ausnahmsweise einer Meinung. Wie diese skurrilen Tierchen mit den dramatisch dunkel umrandeten Augen kerzengerade in einer Reihe stehen, ihr Bäuchlein sonnen, das ist wirklich niedlich. „Aber eigentlich ist das auch nur ein blödes Jöö-Tier, meint er dann plötzlich und wendet sich ab. Auch die Elefanten und Giraffen finden keine Gnade. „Die kommen in jedem Kinderbuch vor.“

Tja, das Mäxchen ist wirklich in einem kritischen Alter. „Möchtest Du ein Eis?“  Es ist nicht einfach, sich zwischen Winner, Calippo, Cool bits und Super Mario zu entscheiden. „Bei diesem hier ist der Stiel eine Wasserpistole“, will ihm die Verkäuferin helfen. „Wenn ich eine Pistole brauche, kaufe ich eine Pistole, und nicht ein Glace“, brummt Mäxchen, und zieht mich weg vom Stand. Und dann sagt er einen Satz, den ihn endgültig vom kleinen Mäxchen zum grossen Max macht: „Komm, wir nehmen jetzt einen Kaffee crème. Ich lade dich ein.“

Ich werde das Gefühl nicht los, dass dies das letzte Mal ist, dass er mich in den Zoo mitnimmt.   

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Kommentar von Irene Engel |

Ich liebe diese Art von Humor, die Selbstironie, und die Geschichten von Josefine! Und besonders auch diese!
Ganz herzlichen Gruß nach Stäfa!
Irene